Active Sourcing via Social Media

Active Sourcing: „Hey Tina, Lust bei uns zu arbeiten? LG, Personaler Firma XY“ – Wertschätzung oder Belästigung?

Wir haben bereits in einem früheren Beitrag den Fachkräftemangel thematisiert. Dort haben wir mögliche Verbesserungsmaßnahmen, wie beispielsweise New Work und entsprechendes Employer Branding genannt. Doch nicht nur bei Stellen, die mit Fachkräften besetzt werden müssen, tun sich Personalabteilungen schwer, diese zu füllen. Auch Ausbildungsberufe – aus denen einmal Fachkräfte hervorgehen können – werden immer seltener erlernt. Zwar war im vergangenen Jahr dem Negativtrend ein Ende gesetzt, nachdem die Zahl derjenigen, die einen Ausbildungsberuf begonnen haben, im Vergleich zu der vom Vorjahr wieder angestiegen ist. Sollte man sich auf diesen Anstieg verlassen und hoffen, dass es in Zukunft wieder mehr Bewerber gibt und somit auch die Wahrscheinlichkeit ansteigt, dass diese Stellen besetzt werden? Wohl eher nicht. Personaler setzen deshalb seit einiger Zeit auf Active Sourcing im Social-Media-Bereich. Sie begeben sich aktiv auf die Suche nach Top-Talenten. Welches Potential verbirgt sich hinter Active Sourcing auf Social Media. Auf welche Risiken sollte man dabei achten?

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Was ist überhaupt Active Sourcing?

Anders als noch vor 10 bis 15 Jahren, als Unternehmen einfach nur auf Bewerber warten mussten, haben zukünftige Arbeitnehmer eine genaue Vorstellung von ihrem neuen Arbeitsplatz. Sie legen Wert auf eine Unternehmenskultur, mit der sie sich identifizieren und innerhalb derer sie etwas Sinnvolles leisten können. Traditionell mussten Personaler lediglich die reingeflatterten Bewerbungen unter die Lupe nehmen. Neuere Personalgewinnungsmethoden schlagen einen aktiveren Ansatz, den des Active Sourcings, vor. Damit ist also gemeint, dass Personalabteilungen eigens auf die Suche gehen. Sie sprechen potentielle Mitarbeiter an und rekrutieren sie, um so im War for Talents erfolgreich zu sein. Jobmessen oder die Kontaktaufnahme auf Social Media eignen sich dafür gut – oder eher nicht? Welche Chancen hat das Active Sourcing auf Social-Media-Kanälen?

Warum man Active Sourcing auf allen Karriereebenen betreiben sollte

Warum Active Sourcing relevanter werden sollte – und zwar nicht nur um zukünftige Auszubildende zu rekrutieren, sondern auch eben genannte mangelnde Fachkräfte – zeigen die Nutzerzahlen von WhatsApp und Facebook. Laut Statista belaufen sich die WhatsApp-Nutzer auf 1,5 Milliarden. Facebook ist das weltweit größte soziale Netzwerk und kann stolz auf seine 2,1 Milliarden Nutzer sein. Allerdings sollte man auch nicht missachten, dass die „Jugend von heute“ nicht mehr so viel Zeit auf Facebook verbringt. Die Social-Media-Nutzungsstrukturen haben sich einfach verändert.

Klassische Azubis in spe sind viel häufiger auf anderen Netzwerken, wie Snapchat oder Instagram, anzutreffen. Dementsprechend sollten nicht nur diese Kanäle als Kommunikationsmöglichkeit wahrgenommen, sondern auch die Stellenausschreibungen angepasst werden. Denn laut Statista waren im Jahr 2017 84% der Instagram-Nutzer in Deutschland die 14- bis 29-Jährigen, also genau die Altersgruppe, die sich für Azubi-Stellen interessieren könnte. Warum sollte man diese Möglichkeit des direkten Kontaktierens über die Profile der eventuellen Arbeitnehmer – also des Active Sourcings – verstreichen lassen, um zukünftige Bewerber anzuwerben?

Möglichst früh eine Beziehung aufbauen – Vorteile von Active Sourcing via Social Media

  • Personaler haben mittels Active Sourcing nämlich die Chance, mit potentiellen Bewerbern gleich von Beginn an – noch bevor diese eine Bewerbung überhaupt in Erwägung gezogen haben – persönlich Kontakt aufzunehmen und sie im besten Fall sogar an sie zu binden.
  • Kandidaten bekommen das Gefühl vermittelt, dass sie wertgeschätzt werden. Denn eine aktive Personalsuche zeugt davon, dass Mühe dahintersteckt und man aus zahllosen anderen potentiellen Kandidaten handverlesen wurde. Auch dieses Gefühl kann dazu führen, dass eine Bindung zum eventuellen Arbeitgeber entsteht.
  • Wenn sich Talente mit einem Unternehmen verbunden fühlen, dann kann dadurch die Absprungrate während des Bewerbungsprozesses verringert werden. Auch das Abwandern zu anderen potentiellen Arbeitgebern kann vermindert oder gänzlich vermieden werden.

Bewerber fühlen sich unwohl – Nachteile von Active Sourcing auf Social-Media-Kanälen

  • Potentielle Bewerber fühlen sich eventuell belästigt, wenn sie auf ihren privaten Profilen kontaktiert werden. Dass Fremde mit ihnen auf sozialen Netzwerken in Kontakt treten, ist zwar keine Seltenheit. Das passiert aber doch eher im privaten und nicht im professionellen Kontext. Findet Active Sourcing in diesem Umfeld statt, wird eventuell eine Grenze überschritten, die noch gewahrt werden sollte.
  • Es besteht die Möglichkeit, dass dieses Vorgehen auf Bewerber unprofessionell wirkt. Sie fühlen sich nicht nur belästigt, weil die Kontaktaufnahme auf einem privaten Kanal stattfindet, sondern aus diesem Grund auch eventuell nicht richtig angesprochen. Allerdings könnte hier ein Unterschied in der Auffassung zwischen den Altersgruppen, sprich zwischen Azubis-to-be und Fachkräften, bestehen.
  • Doch eine Ansprache allein reicht nicht aus. Laut einer Umfrage von Monster sind 27,9 Prozent der Kandidaten genervt, wenn eine Ansprache erfolgt, die grobe inhaltliche und stilistische Mängel aufweist.

Active Sourcing auf Social Media als unkonventionelle Chance ansehen

Auch wenn das Active Sourcing auf Social Media für manche Personaler noch ungewohnt sein mag, sollte man es nicht als Chance verstreichen lassen. Als Chance, genau die Kandidaten zu finden, die das Unternehmen am ehesten gebrauchen kann. Dabei sollte man allerdings berücksichtigen, dass häufig diejenigen, die sich gerade aktiv auf Jobsuche begeben, besonders leicht zu finden und somit zu kontaktieren sind. Dass diese jedoch nicht immer die idealen Kandidaten sind, ist deshalb zu beachten. Die Teilstudie zu Active Sourcing via Social Media von Monster hat außerdem gezeigt, dass Bewerber eine persönliche Ansprache über Xing, LinkedIn oder Facebook sogar als positiv einstufen. Sie wünschen sich sogar, häufiger so kontaktiert zu werden. Das ist ja schon als regelrechter Aufruf an mehr Personaler zu verstehen. Also ran an die Mäuse und die Tastaturen und rein in die Social-Media-Welt! Auf ein fröhliches Active Sourcing!

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