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Die etwas andere Stellenausschreibung: Jogi Löw und Angela Merkel im Persönlichkeitsvergleich.

Es ist ja wieder die Zeit, in der von vielen Joghurtbechern auch die Farben und Köpfe der Nationalmannschaft beim Verkauf helfen sollen und, nach dem Prinzip der klassischen Konditionierung, die Wertigkeit eines Einkaufs mit Sticker und Panini-Bildern belohnt wird. Und auch bei uns laufen die Wetten und die Tipps hinsichtlich des Abschneidens unserer Mannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft schon. Daher haben wir uns nun erlaubt, das Gespann Merkel/Löw in einer eher populärwissenschaftlichen Analyse einmal näher anzuschauen. Für vier Wochen während der WM in Russland werden alle Augen und Ohren auf den Bundestrainer Jogi Löw gerichtet sein. Bundestrainer Jogi Löw, demnächst heimlicher Kanzler für – hoffentlich – vier Wochen und Frau Dr. Merkel, Interim-Bundestrainerin auf der Reservebank der öffentlichen Wahrnehmung, haben – und das wird nicht überraschen – auch viele Parallelen.

Merkels Regierungserklärung vs. Jogi Löws Pressekonferenz

Beide Profile haben wir in unserem Competence-Monitor hinsichtlich der Ausprägung der Persönlichkeitsmerkmale Führungsmotivation, Leistungsmotivation, Beziehungsmotivation, Stimmung, Denkstil, Authentizität und Dominanz verglichen. Grundlage für die Analyse waren die Transkripte der letzten Regierungserklärung von Frau Dr. Merkel vom 21.3.2018 und der letzten Pressekonferenz von Bundestrainer Löw vom 24.5.2018. Wir haben diese als „Bewerbungsschreiben“ analysiert, um herauszufinden, wer am ehesten für die Stelle der Interimsführung der Deutschland AG im Zeitraum Juni bis Juli 2018 geeignet ist.

Dieses 100 Worte-Match wird sich anders als im Fußball hier über drei Drittel erstrecken. Wir beleuchten zuerst die berufliche Motivation, gehen dann über in die Charaktereigenschaften, um dann im letzten Drittel die soziale Kompetenz beider Bewerber darzustellen.

Führungsmotivierte Kanzlerin vs. leistungsorientierter Bundestrainer

Bei den ersten beiden Eigenschaftspaaren zeigt sich, dass Frau Dr. Merkel im Ranking der Führungsmotivation etwas höher abschneidet, was bei einer Regierungserklärung allerdings auch zu erwarten ist. Bundestrainer Jogi Löw stellt sich den Fragen der Reporter, er muss eher reagieren. Somit ist die Ausprägung der Führung relativiert und etwas niedriger. Ebenso interessant ist unsere Darstellung hinsichtlich der Leistungsmotivation. Während hier die Kanzlerin Verbindlichkeiten über politische Lager hinweg und auch Gemeinsamkeiten hervorheben wird, muss dagegen Jogi Löw viel deutlicher auf den Leistungsgedanken eingehen.

Berufliche Motivation

Merkel sorgt für ein Wir-Gefühl

Wie sieht es in der Kategorie der Beziehungsmotivation aus? Jogi Löw hat hier einen relativ niedrigen Wert. Das Beziehungsmotiv, beschrieben auch in der Need Theory nach McClelland, wird hier eher – auch situationsbedingt – für Löw untergeordnet zu sehen sein. Auch das ist wichtig bei dieser Analyse. Alle Wertigkeiten und Zuordnungen sind natürlich einem Kontext zuzuordnen. Gerade dieser Kontext erlaubt eine spezifische Fragestellung und ein differenziertes Bild. Der gute Kontakt zu Menschen ist hier also nicht generell ein niedriger Wert, verfeinert und konnotiert jedoch die beiden Redesituationen. Merkel hat hier einen deutlich höheren Wert. Die Bundeskanzlerin wird hier mitnehmen, gemeinsame Ziele und Wege aufzeigen und generell Gemeinsamkeiten hervorheben, was sich wiederum in einer verbindlichen und auf die Beziehungsqualität abhebenden Sprache darstellt.

Bauchentscheider Jogi Löw

Charaktereigenschaften

Wenden wir uns nun im zweiten Drittel dieses Aufeinandertreffens der Stimmung, dem Denkstil und der Authentizität zu. Die größte Übereinstimmung haben beide interessanterweise bei der Stimmung. Hier sind die Bundeskanzlerin und Jogi Löw deckungsgleich. Beide sind sehr neutral, was wiederum dem Rede-Kontext entspricht. Bei einer Standpauke in der Kabine oder im Kabinett werden hier die Werte sicherlich eine alternative Ausprägung haben. Diese Daten und Transkripte lagen uns aber bei Redaktionsschluss nicht vor und das ist vielleicht auch besser so... Nun zum Denkstil. Hier wird dargestellt, für welche Eigenschaft die Bundeskanzlerin bekannt ist: Für ihre analytische Herangehensweise und für die überlegte respektive und abwartende Haltung in Entscheidungsfindungsprozessen. Sicherlich müssen hier die zeitlichen Dimensionen der Workflows der beiden Berufsfelder berücksichtigt sein. Eine Angriffsformation, ein Spiel oder ein Turnier setzt sich da von Entscheidungs-, Bewusstseins- und Umsetzungsprozessen in der Politik deutlich ab, was durchaus am einen oder anderen Stammtisch nicht so gesehen wird. Beide rangieren beim Denkstil jedoch vorwiegend im Bereich der Spontaneität und Intuition, was wiederum dem Kontext der Äußerungen, hier dem der Pressekonferenz, dort dem der Regierungserklärung, entspricht. Dass Jogi Löw im Ranking eine leicht höhere Ausprägung in Spontaneität und Intuition hat, zeigt ihn als Vertreter seiner Sache, dem Fußball. Wo Sommermärchen erzählt, Helden geboren und der Himmel über der Republik vom Public Viewing erleuchtet werden, da ist Sprache spontan, intuitiv und mit Begrifflichkeiten der Emotion besetzt. Die Aufstellung der beiden für den Bund Tätigen wird bei der dritten Eigenschaft des Clusters, der Authentizität, getauscht und entspricht auch dem Tätigkeitsbereich in der Öffentlichkeit. Beide sind - der Redesituation entsprechend - in eher förmlicher Ausprägung dargestellt. Bei Jogi Löw überwiegt hier der Wert leicht, was wiederum dem jeweiligen Naturell und auch den situationsbezogenen Möglichkeiten und Etiketten eher entspricht. Im Fußball geht es eben vielmehr ‚frei heraus‘ zu. Die Bundeskanzlerin wird in ihrer Regierungserklärung mit einem höheren Wert in der Förmlichkeit dargestellt. Beide Ausprägungen stellen hier die Realität und allgemeine Wahrnehmung bildhaft dar.

Das Finale: Jogi Löw nicht so dominant wie die Kanzlerin oder doch eher ein Kavalier, der der Dame den Vortritt lässt?

Sozial-Kompetenz

Kommen wir zum Finale, der Darstellung der Sozial-Kompetenz, in der sich beide überdurchschnittlich in ihrer Dominanz ausprägen. Beide sind Leader-Typen, die Vorgaben machen und sich nicht in Gruppen einfügen müssen, sondern vielmehr Gruppen, Teams und im Team-Building aktiv gestalten und formen. Ob nun Manuel Neuer spielt oder Norbert Röttgen nicht mehr zu der Startelf gehört, genau diese Gestaltungspunkte werden hier ausgeprägt. Dass die Kanzlerin hier leicht überwiegt, mag nicht weiter überraschen. Bill Clinton wurde zu seiner Zeit als „Come Back Kid“ bezeichnet, als jemand, der immer wieder aufsteht und zurückkommt. Nach der Bundestagswahl ist vor der Bundestagswahl und Bundestrainer Jogi Löw konnte schon vor dem Turnier seinen Vertrag beim DFB verlängern. Ob ihn da die Kanzlerin beneiden wird?

100 Grüße und mehr als 100 Worte, die in den Büros, Gemeinschaftsräumen, Kabinen, Kabinetten, Stammtischen und Biergärten vor, während und nach dem Turnier gewechselt werden wollen. Und vor allem Fairness und Zusammenhalt wünscht 100 Worte!

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