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Von der Hand zum Mund vom Land zum Bund oder Per Aspera ad Astra.. Die Landtagswahl 2018 in Bayern – 100 Worte schaut tief in die Wähler- und Parteienseele!

Wenn ein Ministerpräsident den Weltraum für sich entdeckt, wird es wohl auf der Erde zu eng, so kurz vor der Landtagswahl am 14. Oktober in Bayern. Wo früher ausschließlich nur mit Wahlplakaten propagiert wurde, nutzen die Parteien im heutigen Zeitalter der Digitalisierung die sozialen Kanäle für ihre Werbezwecke. Dadurch erreichen sie wahrscheinlich mehr Menschen, als auf der Straße mit Plakaten. Aus diesem Anlass haben wir die Tweets der Spitzenkandidaten und deren Parteien genauer untersucht, um eine Prognose über die Wahlergebnisse zu geben. Die Spitzenkandidaten für die jeweiligen Parteien in Bayern, die wir untersucht haben, sind folgende:

CSU: Markus Söder, amtierender Ministerpräsident in Bayern SPD: Natascha Kohnen Bündnis 90/ Die Grünen: Katharina Schulze und Ludwig Hartmann FDP: Martin Hagen Die Linke: Eva Bulling-Schröter und Ates Gürpinar Freie Wähler: Hubert Aiwanger Bayernpartei: Florian Weber Die AfD verzichtet auf einen Spitzenkandidaten (!)

Die 100 Worte Analyse:

Da es sich um die Landtagswahlen in Bayern handelt, haben wir die Datenerhebung ausschließlich von bayerischen Twitteraccounts der jeweiligen Parteien analysiert. Zur Darstellung der Daten haben wir uns für ein Netzdiagramm, auch Spider-Chart genannt, entschieden, da dieses für die Ergebnisse der Analyse geeignet ist und anschaulich die verwendete Sprache hinsichtlich der verhaltenspsychologischen Bedeutung abbildet. Zur Erstellung des Netzdiagramms haben wir die 100 Worte Kategorien (siehe auch: „Predicting Elections with Twitter“) analysiert.

Analysiert wurden indikative Wörter bzw. Wortgruppen in den Tweets der Spitzenkandidaten und der Parteien. Die für die Analyse erhobenen Daten waren Tweets von Accounts der jeweiligen Landes-Partei, Tweets, in denen die Spitzenkandidaten der jeweiligen Parteien erwähnt wurden und die Antworten, in denen andere Benutzer die Spitzenkandidaten und die Partei erwähnt haben. Diese unstrukturierten Daten wurden in den Analyse Core von 100 Worte eingegeben. Für die Vorhersage der Wahlergebnisse haben wir zudem die Menge an Tweets pro Partei berücksichtigt. Die Menge der Tweets gibt Aufschluss über die Bedeutsamkeit der Partei und damit über die Ergebnisse bzw. über die Anzahl der Stimmen bei der Wahl.

Ergebnisse:

Was bewegt nun das bayrische Gemüt zwischen irdischem Vergnügen auf der ‚Wiesn‘ und astralem Streben. Auf welche Umlaufbahn kann die Bavaria One unter dem Kommandanten Söder den Wähler mitnehmen, wo wird er dann landen nach diesem Parabelflug und der vermeintlichen Entrückung in sachpolitische Schwerelosigkeit?

Ergebnisse unserer Analyse

Für alle Parteien gesehen fällt auf, dass die Grundausprägung ähnlich ist. Sprache, die ein Leistungsmotiv abbildet, oder direkt Ärger, Angst oder Enttäuschung, ist in der Analyse vermindert repräsentiert. Dahingegen sind die Kennworte, die mit Gewissheit, Unsicherheit, guter Stimmung und schlechter Stimmung (=Stimmungsmache) in eindrücklicher Weise im Diagramm dargestellt. Man wähnt hier eine Figur, die mit ausgebreiteten Armen alle Stimmen und Meinungen gleichsam einsammeln will, und entsprechend wurde auch der Wahlkampf geführt. Keine klaren positiven Koalitionsaussagen, jedes Lager kämpft für sich, jedes Lager schaut zum anderen Lager, vergleicht sich, orientiert sich in der Sprache, um sich keine Blöße zu geben oder gar festzulegen.

Steil nach unten weist der Stimmungspfeil der CSU. Ebenso ist die Ausprägung in Richtung Ärger stark auffällig wie auch die Unsicherheit, ein Abbild also zur derzeitigen Lage der CSU, auch gerade im Bund. Geld konkret spielt bei keiner Partei eine Rolle, wohl um die Verlustängste des besorgten Wählers nicht zu schüren. Die Themen, die mit Bedeutungen in Richtung Zukunft und Unsicherheit verbunden sind, werden von allen Parteien in leicht gradueller Abstufung gleichermaßen instrumentalisiert, nicht zu Letzt um die eigene Sicht zu manifestieren. In der Feinabstimmung scheint die Klaviatur des Stimmungsproporzes der AFD unterschwellig zu sein. Die AFD hat ihre Peaks in der Unsicherheit, Ärger, Angst und Gewissheit und liegt in diesen Punkten auch im Vergleich zu den anderen Parteien am höchsten, während die anderen Parteien in diesen Stimmungslagen reaktiv zur AFD ausgeprägt sind. Das ist es dann wohl, was mit: „...wir werden sie vor uns her treiben/jagen“ (Gauland nach der Bundestagswahl 2017) gemeint war. Zukunftsthemen und gute Stimmung sind in Relation stark von den Grünen belegt, mies machen gilt nicht, so dass dieser Haltung zu Grunde liegende Credo. Nach vorne gewandt mit positiver Grundhaltung.

Die Bayern Partei macht alles ein bisschen so wie die große Schwester CSU, transportiert nur die bessere Stimmung und die stärkere Gewissheit, eben das Bekannte ‚mia san mia‘.

Und nun zum Ranking, der Abfolge der Stimmungsanteile, zur Sonntagsfrage der Social Media Meinungslage also:

Das Ranking vom 08.10.12:

  1. CSU
  2. AFD
  3. SPD
  4. Die GRÜNEN/BÜNDNIS 90
  5. FDP
  6. Die LINKE
  7. FREIE WÄHLER
  8. BAYERNPARTEI

Der Wähler und Meinungsträger schickt nun 180 Abgeordnete in den bayrischen Landtag. Die Abfolge des/der 100 Worte (Meinungs-O-Mats, Stimmungsanalyse) sieht die CSU knapp vor der AFD. SPD, Grüne und FDP folgen und werden um Koalitionsverstärkung angefragt werden. Die Stärke der AFD, die ohne Spitzenkandidaten und sich daher ohne Ecken und Kanten oder Persönlichkeitsprofil einer Führungskraft stellen wollten oder konnten, entweder aus Mangel oder politischem Kalkül, resultiert aus dem allgemeinen Abschöpfen des Wutbürgertums und spaltet einen wesentlichen Teil des Stimmungspotentials aus dem bürgerlichen Lager der CSU ab. Das Pendant zu dieser Entwicklung musste die SPD im Nachgang zu der Agenda 2010 im Bund erfahren, eine Abspaltung der Linke und Zusammengang mit der PDS. Was ihr Stimmenpotential bis zu 10 % volatil werden ließ.

Das erste Ranking von Montag basiert auf Daten die vor zwei Wochen analysiert wurden. Überraschenderweise ergab unsere aktuelle Analyse das Ergebnis, dass die GRÜNEN/Bündnis 90 die SPD nun aufgeholt haben. Somit haben wir ein neues Ranking.

Das Ranking heute (12.10.2018):

  1. CSU
  2. AFD
  3. Die GRÜNEN/BÜNDNIS 90
  4. SPD
  5. FDP
  6. Die LINKE
  7. FREIE WÄHLER
  8. BAYERNPARTEI

Trotzdem ist die CSU deutlich geschwächt. 2013 konnte Horst Seehofer eine absolute Mehrheit verbuchen. Das wird Ministerpräsident Söder nun nicht mehr gelingen. Der Grund hierfür: Natürlich liegt der nach aktueller Nachrichtenlage und bayrischer Interpretation in Berlin, bei den Preußen eben. Aber dort verortet beim Innenminister, der ja aus Bayern kommt. Ein politisches Schauspiel mit Tragödie und Komödie, fast wie bei Shakespeare im richtigen Leben, eng verbunden und sich bedingend.

Es bleibt festzuhalten, dass die Ansprache der Wählergruppen Ansprache allgemein gehalten ist, dass die kleineren Parteien in der Ausprägung reduzierter sind. Der Eindruck entsteht, dass nach Wochen der Verunsicherung und politischen Auseinandersetzung in den Koalitionsparteien auf eine Kommunikation wertgelegt wird, die sich nicht abhebt und abgrenzt, um das Protestpotential nicht weiter anzufachen. Bleibt nun abzuwarten, wie sich des Wählers Wille am Wahltag abbilden wird. Wir dürfen alle gespannt sein..

Quellen:

Predicting Elections with Twitter: What 140 Characters Reveal about Political Sentiment Andranik Tumasjan, Timm O. Sprenger, Philipp G. Sandner, Isabell M. Welpe Technische Universität München Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre Strategie und Organisation Leopoldstraße 139, 80804 Munich, Germany

https://www.merkur.de/politik/landtagswahl-2018-in-bayern-alles-wichtige-im-ueberblick-zr-9652437.html

https://www.welt.de/politik/deutschland/article180195870/Landtagswahl-Bayern-2018-Alle-Infos-zu-Wahlkreisen-Parteien-Umfragen.html

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