Wie reagiert die Welt auf Mesut Özils Rücktritt aus der Nationalmannschaft? Eine Stimmungsanalyse.

Mesut Özils Rücktritt von der Fußballnationalmannschaft

Am Sonntag, den 22.07.2018, hat Mesut Özil auf seinem Twitter-Account seinen Rücktritt aus der deutschen Fußballnationalmannschaft bekanntgegeben. Wo häufen sich in der Presse Wut, Trauer und negative Emotionen?

Die BILD spricht vom „Jammer-Rücktritt“ – was sagt der Rest der Welt?

Mit Özils Rücktritt wurde nicht nur in Deutschland eine Rassismus-/Integrationsdebatte losgetreten. Die größten Tageszeitungen der Welt berichten über seine Entscheidung, nicht mehr im deutschen Trikot auf dem Fußballfeld zu stehen. Ist in der Printausgabe der BILD von einem „Jammer-Rücktritt“ die Rede, schreiben die englischsprachigen Nachrichten in ihren Headlines fast immer von einer Reaktion auf „racism“ oder „disrespect“. Wo wird aber insgesamt positiver über Özils Rücktritt berichtet? In welchen der beiden Medien wird Traurigkeit deutlich, wo herrscht Wut? Wir haben mit unserem Analyseverfahren die Stimmung, die in der Berichterstattung zum Tragen kommt, ermittelt.

Wie wir die Stimmung gemessen haben

Um den allgemeinen Tenor der Presse im Zeitraum vom 22. bis 24. Juli 2018 zu messen – also die direkte Reaktion auf Mesut Özils Rücktritt – haben wir mit unserem Tool deutsch- und englischsprachige Artikel analysiert, die sich in dieser Zeit mit seinem Rücktritt auseinandergesetzt haben. Relevante Kategorien für ein umfassendes Bild sind die positive und negative Emotion, Wut, Trauer und Verunsicherung / Angst. Um die ermittelten Werte einordnen zu können, haben wir Orientierungswerte aus einer Tabelle von James W. Pennebaker – auf dessen Forschung unser Analyseverfahren hauptsächlich beruht – herangezogen. In dieser sind die Mittelwerte für die oben genannten Kategorien, die in der Analyse geschriebener und gesprochener Sprache identifiziert werden konnten, aufgeführt.

Negative Emotionen als Reaktion auf Özils Rücktritt in Deutschland sehr viel stärker ausgeprägt

Wie die Tabelle zeigt, sind sowohl in der deutschen als auch in der englischsprachigen Presse unterdurchschnittlich wenige positive Emotionswörter zu finden. Auch wenn man die Werte unserer Analyse mit dem Mittelwert, der in Nachrichtenquellen, wie z.B. der New York Times, zu finden ist, vergleicht. Solche positiven Emotionswörter sind z.B. für Berichterstattungen über sportbezogene Ereignisse typische Wörter wie „überragend“ oder „ehrwürdig“. Negative Emotionen sind hingegen überdurchschnittlich häufig zu finden, vor allem in der deutschen Presse. In der FAZ heißt es zum Beispiel, dass er sich „schlecht“ behandelt fühle. Die BILD berichtet davon, dass von allen Seiten „Fehler“ gemacht worden seien.

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*Hierbei sind Blogs, Romane, Tweets, gesprochene Sprache und im klinischen Kontext entstandene Tagebucheinträge analysiert worden. Der dabei entstandene Mittelwert wird von Pennebaker “grand mean” genannt.

Wenig Angst, wenig Trauer – aber viel Wut über Mesut Özils Rücktritt

Andere relevante Kategorien, um die allgemeine Stimmung in der Presse widerspiegeln zu können, sind Angst, Wut und Trauer. Sowohl in der englischsprachigen als auch in der deutschen Presse sind keine bemerkenswert hohen Mittelwerte für Angst oder Trauer zu finden. Allerdings ist die Wut in der englischsprachigen Presse besonders stark ausgeprägt – ist der Wert hier nämlich fast doppelt so hoch wie der für die New York Times. In The Guardian ist in einem Artikel gleich dreimal das Word „attack“ zu finden. Doch auch in der deutschen Presse spiegelt sich Wut wider, die so stark sonst nicht in Nachrichtenportalen verzeichnet werden kann. Beispielsweise ist in der FAZ von einer „beispiellosen Attacke gegen DFB-Chef Reinhard Grindel“ die Rede. Im Spiegel wir von Özils „von Zorn und Verletzung geprägten Stellungnahme“ und von „Beschimpfungen“, denen er ausgesetzt war, gesprochen.

Unser Verfahren kann noch mehr als die Stimmungsanalyse

Mit dem 100 Worte-Analyseverfahren können aber nicht nur Stimmungen, sondern auch Denkstile, Bedürfnisse oder Motivationen ermittelt werden. So können beispielsweise diejenigen von Kunden identifiziert werden, wobei die Ergebnisse dann gewinnbringend in der Konzipierung verbesserter Marketingstrategien eingesetzt werden können. Mit dem Brand-Awareness-Radar lassen sich solche Erkenntnisse gewinnen, die dann in einer optimierten Interaktion und Kommunikation mit Kunden zum Tragen kommen. Auch können wichtige Persönlichkeitsmerkmale von Bewerbern bereits vor der Auswahl analysiert werden: Der Competence-Monitor ermittelt innerhalb von Sekunden Soft Skills aus Bewerbungsschreiben und unterstützt somit die Personalauswahl noch vor dem ersten Schritt.

Tabelle: Pennebaker, J.W., Boyd, R.L., Jordan, K., & Blackburn, K. (2015). The development and psychometric properties of LIWC2015. Austin, TX: University of Texas at Austin.

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