Facebook vor dem Kongress – So war die Stimmung während Zuckerbergs Anhörung

Facebook-CEO Mark Zuckerbergs Anhörung

Die Anwendung des 100 Worte-Analyseverfahrens zur Einschätzung der Stimmung

Facebook-CEO Mark Zuckerbergs Anhörung vor dem US-Kongress ist nicht einmal zwei Wochen her. zuckerberg musste Rede und Antwort stehen, denn die Anhörung sollte die Frage klären, was Facebook über die Methoden von Cambridge Analytica wusste und was dagegen unternommen wurde. Seitdem die Öffentlichkeit vom vermeintlichen Datenleck erfahren hatte, verlor die Facebook-Aktie deutlich an Wert. Außerdem haben Unternehmen wie Tesla oder SpaceX ihre Facebookseite gelöscht – oder auch einfach nur deaktiviert. Mehr und mehr private Nutzer wandern vom weltweit größten sozialen Netzwerk ab.

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Zuckerbergs Anhörung: 100 Worte analysiert zehn Stunden Aufnahmematerial

Dass er mehr als unzufrieden über diese Entwicklungen sein muss, zeigte sich zumindest nicht in Zuckerbergs Anhörung vor dem Kongress. Dort antwortete er seriös auf die Fragen der häufig mit dem Netzwerk unvertrauten Abgeordneten. An zwei Tagen wurde er zunächst vor dem Senat und anschließend vor dem Repräsentantenhaus angehört – insgesamt zehn Stunden Aufnahmematerial sind dabei entstanden. Wir haben uns der Fragestellung gewidmet, wie die Stimmung an diesen beiden Tagen im Transkript der Anhörung zum Ausdruck kommt. Dafür wurde das Transkript der insgesamt zehn Stunden mithilfe unserer Sprachanalyse untersucht, nachdem wir das Datenmaterial auf insgesamt 18 Einheiten aufgeteilt haben. So konnten wir um ein übersichtliches Bild der Stimmungsschwankungen erhalten.

Tag 1: Negative Gesprächsthemen dominieren

Der erste Tag beginnt mit einem Stimmungstief, das nicht das einzige bleibt. Der Indikator: Negativ konnotierte Wörter wie beispielsweise mistake sind besonders häufig in den Aussagen Zuckerbergs oder denen der Kongressabgeordneten zu finden. Danach hellt die Stimmung wieder auf, weil positivere Gesprächsthemen vorherrschen. Jedoch fällt sie wieder rasch ab und erreicht ihren absoluten Tiefpunkt. Erneut dominieren negative Themen das Gesagte.

Tag 2: Stimmungshoch nicht von langer Dauer

Dass die positive Stimmung zwar noch am zweiten Tag zu Beginn auf ihrem Höchstpunkt war, ändert sich allerdings schnell in die entgegengesetzte Richtung, wenn an einem erneuten Tief die Negativität in den Äußerungen überwiegt. Danach erholt sich die Stimmung zwar wieder. Allerdings ist insgesamt über beide Tage hinweg kein herausragend positives Stimmungsbild zu verzeichnen, wie in der Grafik zu erkennen ist. Dies ist in einer solchen Situation jedoch auch nicht verwunderlich.

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Unser Verfahren kann noch mehr als die Stimmungsanalyse

Mit dem 100 Worte-Analyseverfahren können aber nicht nur Stimmungen ermittelt werden, sondern auch Denkstile, Emotionen, Bedürfnisse oder Motivationen. So können beispielsweise diejenigen von Kunden identifiziert werden, wobei die Ergebnisse dann gewinnbringend in der Konzipierung verbesserter Marketingstrategien eingesetzt werden können. Mit dem Brand-Awareness-Radar lassen sich derartige Erkenntnisse gewinnen, wodurch die Interaktion und Kommunikation mit Kunden optimiert werden können. Auch können wichtige Persönlichkeitsmerkmale von Bewerbern bereits vor der Auswahl analysiert werden: Der Competence-Monitor ermittelt innerhalb von Sekunden Soft Skills aus Bewerbungsschreiben und unterstützt somit die Personalauswahl noch vor dem ersten Schritt.

Kurzer Überblick zum Cambridge Analytica Skandal

Das Datenanalyse-Unternehmen hatte Daten von 87 Millionen Nutzer des weltweit größten sozialen Netzwerks verwendet, um Persönlichkeitsprofile zu erstellen. Diese wurden unter anderem für den US-Präsidentschaftswahlkampf 2015/2016 verwendet. Mithilfe der Daten konnten politische Werbebotschaften gezielt eingesetzt werden. Diese Vorgehensweise ist nichts Ungewöhnliches – hätten die Facebook-Nutzer dieser Datenübertragung bewusst einwilligen können.

Das Problem ist nämlich, dass eine App eines Drittanbieters (thisisyourdigitallife), mit der Nutzer einen Persönlichkeitstest machen konnten, Zugriff zu den Facebook-Profilen der Nutzer erhalten hatte. Am Ende des Tests konnten die Nutzer nämlich dieser Funktion zustimmen, allerdings mit der Absicherung, dass die Daten lediglich für wissenschaftliche Zwecke verwendet werden. Was die App-Nutzer allerdings nicht wussten: thisisyourdigitallife konnte somit sowohl ihre Daten als auch die ihrer Facebook-Kontakte sammeln. Allerdings hatte der Macher der App, Aleksandr Kogan, die Daten auch an Cambridge Analytica verkauft, was nach britischem Datenschutzgesetz illegal ist, wenn der Nutzer nicht zugestimmt hat.

Was Facebook damit zu tun hat

Das „Ernten“ der Daten hatte im Sommer 2014 stattgefunden. Facebook hat davon bereits im Jahr 2015 erfahren, seinen Nutzern aber nicht mitgeteilt, dass deren Daten an Dritte weitergeleitet und womöglich für Werbezwecke missbraucht wurden. Laut eines Mailverlaufs soll Facebook Cambridge Analytica nämlich kurz daraufhin darum gebeten haben, die Daten wieder zu löschen. Das hat allerdings nie stattgefunden. Dass dieser Fall jetzt erst in der Presse ist, haben der britische Sender Channel 4 und Reporter der Zeitung The Observer zu verantworten.

Diese hatten sich als einen potenziellen reichen Kunden ausgegeben, der mit der Hilfe von Cambridge Analytica politischen Einfluss gewinnen wollte. Jetzt ermitteln sowohl die britische Datenschutzbehörde als auch die US-Handelsbehörde FTC gegen Facebook. Das soziale Netzwerk musste sich vor dem US-Kongress behaupten, weil unter anderem geprüft werden soll, ob es seine Nutzer zu spät über die Datenweitergabe informiert haben soll.

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