Transhumanismus – Über die Verschmelzung von Mensch und Technologie

Transhumanismus

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Ein Begriff, der im Zuge der stetigen Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz immer präsenter wird.

Was genau eigentlich ist Transhumanismus?

Unter Transhumanismus versteht man eine Verschmelzung von Mensch und Technologie, durch die menschliche Grenzen letztendlich überwunden werden können. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und wird zusammengesetzt aus ‚trans‘ (jenseits, über, hinaus) und ‚humanus‘ (menschlich) – man geht also wortwörtlich über das Menschliche hinaus. Manche sprechen gar von der nächsten Evolutionsstufe der Menschheit. Der Mensch soll sich zu einer Art posthumanen Spezies weiterentwickeln, die intelligenter und robuster ist als bisher. Damit kann gemeint sein, dass bestimmte Technologien direkt im menschlichen Körper getragen werden oder „die KI so weit entwickelt sein wird, dass sie vollständig mit der menschlichen Intelligenz verschmilzt“, was man dann Singularität nennt (Ray Kurzweil, Pionier der KI-Forschung). Innerhalb von wenigen Jahrzehnten soll so ein neuer Mensch geschaffen werden, die FAZ spricht gar von der „Abschaffung des Todes“.

Doch wo findet der Transhumanismus Anwendung?

Vor allem im medizinischen Bereich können Patienten von dieser Idee profitieren. Künstlich hergestellte Organe sollen Leben retten, bevor ein passender Organspender gefunden wird. Blinde können durch spezielle Implantate wieder sehen. Und elektronische Gehirn-Implantate können neuronale Prozesse stimulieren, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Sogenannte Hirnschrittmacher können in der Behandlung von Parkinson und Depressionen eingesetzt werden. Mini-Roboter können tief in den Körper eindringen, um Krebszellen zu bekämpfen. Doch es ist nichts Neues, dass Menschen Technologie nutzen, um sich selbst zu erweitern. Man denke nur an Prothesen oder Herzschrittmacher. Auch Impfungen sind dazu da, Menschen einigen Krankheiten gegenüber robuster zu machen. Der Transhumanismus ist folglich eine Fortsetzung dieser Entwicklung mit ganz neuen Möglichkeiten. Für viele Menschen könnte das bedeuten, dass ihr Leben durch die Verschmelzung mit der Technologie deutlich lebenswerter und die Lebenszeit im Allgemeinen verlängert wird. Der Mensch kann also im positiven Sinne als „work in progress“ gesehen werden, da er sich ständig weiterentwickelt.

Die Schattenseiten des Tranhumanismus – das sagen die Kritiker

Trotz dieser überzeugenden Vorteile wird der Transhumanismus von vielen als sehr kritisch betrachtet. Sie befürchten, dass durch die Verschmelzung von Mensch und Technologie das ursprüngliche Menschenbild verschwindet und der Mensch seine Menschlichkeit verlieren könnte. In den Köpfen vieler könnte es sogar so kommen, dass die Künstliche Intelligenz den Menschen komplett übertrifft und letztendlich auslöscht. Der ethische Aspekt ginge verloren, bemerken andere, die Entwicklung sei rein technologisch. Auch namhafte Persönlichkeiten wie Stephen Hawking, Bill Gates und der Philosoph Nick Bostrom mahnen zur Vorsicht; Hawking sagte einst: „Die Entwicklung von vollständig künstlicher Intelligenz könnte das Ende der menschlichen Spezies bedeuten.“ Viele bezweifeln, dass der Mensch tatsächlich irgendwann vollkommen in Zahlencodes abbildbar sein wird – wie sollte das funktionieren, wenn man nicht weiß, wie der Mensch im Detail funktioniert, wo beispielsweise die Funktion zum Träumen hinterlegt ist?

Ein Lichtblick? – das sagen die Befürworter des Tranhumanismus

Auf der anderen Seite stehen die Befürworter des Transhumanismus. Sie sehen sich in der Pflicht, das menschliche Erbgut so zu verändern, dass zukünftige Generationen davon profitieren. Sie wollen das Beste aus dem Menschen herausholen. Der Mensch soll die Möglichkeit erhalten, völlig frei über seine Entwicklung zu entscheiden, um schließlich so lange wie nur möglich zu leben. Einige Ideen gehen dabei sehr weit – der Mensch soll irgendwann dazu in der Lage sein können, sein Gehirn zu scannen. So könnte er auch nach seinem Tod als eine Art Software weiterexistieren kann. Doch nicht alle Ansichten sind derart weitreichend. Gerade von medizinischer Seite aus kann die Verschmelzung von Mensch und Technologie unglaublich gewinnbringend sein. Schließlich kommt es nicht darauf an, ob sich Menschen irgendwann komplett in Roboter verwandeln oder lediglich ihr Leben durch Chips im Körper verlängern, solange der eigene Körper kontrolliert und somit die Natur gewissermaßen überwunden werden kann. Auch in Deutschland gibt es mittlerweile viele Befürworter, die sich in Parteien und Gesellschaften organisieren. Sie stammen aus den unterschiedlichsten Bereichen – Transhumanisten sind nicht nur Hacker.

Bei jeder Entwicklung ist es jedoch unerlässlich, die Menschenwürde als oberstes Prinzip zu wahren und auch zukünftig alle Menschen gleich zu behandeln. Schließlich sollte dann aber jeder selbst entscheiden können, inwieweit er sich transformieren möchte.

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